Diabetes Hilfe Ratgeber & Infoportal

Unterzuckerung (Hypoglykämie): Die wichtigsten Infos

Wenn man von Diabetes liest, geht es meist darum, dass dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte gefährlich für die Blut- und Nervenbahnen sind. Unbehandelt können diese zu einem raschen Herztod, zu Blindheit oder auch zu Amputationen führen. Was viele dabei vergessen: Auch eine Unterzuckerung kann sehr gefährlich werden. Nicht wenige Menschen sind vorzeitig verstorben, weil sie während des Autofahrens eine Unterzuckerung erlitten haben – doch auch abseits des Autos kann zu wenig Zucker im Blut gefährlich werden.

Laut der Amerikanischen Diabetes Gesellschaft ist eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) dann gegeben, wenn der Blutzuckerspiegel unter einen Wert von 70 mg/dl (3,9 mmol/l) sinkt. Verschiedene Expertengruppen, die über den gesamten Globus verteilt sind, geben hier natürlich unterschiedliche Werte an. Es ist deshalb wichtig, dass eine Unterzuckerung nicht nur an nackten Blutwerten gemessen wird, sondern auch – was viel wichtiger ist –an den zugehörigen Warnzeichen und Symptomen. Wenn die betroffene Person Hilfe benötigt, dann kann man zweifelsfrei von einer Unterzuckerung sprechen.

In welchen Fällen besteht das Risiko einer Unterzuckerung?

Gesunde Menschen haben normalerweise keine Probleme mit einer möglichen Unterzuckerung, da der Körper diese automatisch verhindert. Würde es rein theoretisch zu einer Unterzuckerung kommen, schüttet der Körper bestimmte Hormone aus, die gegensteuern und Zucker aus den Vorräten der Leber mobilisieren und ins Blut abgeben.

Auch bei einem Typ-2 Diabetes ist eine Unterzuckung äußerst unwahrscheinlich – zumindest dann, wenn die Krankheit nicht medikamentös behandelt, sondern durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten in Schach gehalten wird.

Problematisch wird es, wenn die Krankheit mit Hilfe von Insulinspritzen oder Tabletten behandelt wird. Das ist bei den meisten Typ-1 und bei einigen Typ-2 Diabetikern der Fall. Je mehr der Blutzuckerspiegel von außerhalb gesteuert wird, desto höher ist normalerweise auch das Risiko einer Unterzuckerung.

Auslöser dafür ist die sogenannte Unterzucker-Wahrnehmungsstörung. Diabetiker nehmen eine Unterzuckung also in vielen Fällen nicht als solche wahr. Das ist insbesondere dann vermehrt der Fall, wenn der Diabetes bereits seit einigen Jahren besteht und/oder Unterzuckerungen häufiger auftreten.

Wer zu einer Risikogruppe gehört, der sollte in Erwägung ziehen, sich einer speziellen Schulung zu unterziehen, die einem beibringt, wie man Unterzuckerungen am besten erkennen kann. Bei den meisten Diabetes-Schulungen dürfte dieses Thema ohnehin Bestandteil des Unterrichts sein.

Welche Gefahren drohen bei Unterzuckerung?

Wenn die Unterzuckerung nicht zeitnah behandelt wird, kann der Patient bewusstlos werden oder sogar ins Koma fallen. Daran sieht man, dass Unterzuckerung vor allem für Autofahrer ein großes Problem darstellt.

Des Weiteren geht man davon aus, dass häufige Unterzuckerungen die Bildung von Demenz im höheren Alter fördern. Grundsätzlich gilt: Je älter und schwächer der Mensch wird, desto gefährlicher ist gleichzeitig eine Unterzuckerung für ihn. Während einer Unterzuckerung schüttet der Körper größere Mengen an Adrenalin aus, was bei Patienten mit schwachem Herz-Kreislauf-System zum Herzinfarkt führen kann.

Was sind die Ursachen für Unterzuckerungen?

Eine Unterzuckung kann viele mögliche Ursachen haben. Nicht selten passiert es, dass sich Diabetiker Insulinspritzen bzw. Tabletten verabreichen, dabei aber vergessen, etwas zu essen. Auch falsche Berechnungen der zugeführten Kohlenhydrate oder Fehler bei der Einnahme der Medikamente können Auslöser für eine Unterzuckerung sein (Beispiele: Eine Überdosis oder auch eine Injektion in die falsche Körperstelle).

Insbesondere bei sportlicher Aktivität muss man darauf achten, sich nicht die übliche Dosis zu spritzen, sondern eine geringere Menge. An diesem Beispiel sieht man, wie wichtig Schulungen bei Diabetes sind. Die Krankheit ist zu facettenreich, als das man selbst an alle Aspekte des Blutzuckers denken könnte.

Problematisch kann auch die Zuführung von Alkohol sein. Der Körper wird angetrieben, indem Zucker in der Leber produziert und an den Blutkreislauf abgegeben wird. Wenn die Leber allerdings mit dem Abbau von Alkohol beschäftigt ist, was immer oberste Priorität besitzt, da Alkohol ein Nervengift ist, das es abzubauen gilt, wird deutlich weniger Zucker ausgeschüttet. Des Weiteren enthält Alkohol selbst natürlich auch ordentliche Mengen an Zucker. Auch diese müssen bei der Handhabung des Blutzuckerspiegels beachtet und miteinberechnet werden.

Eine Maßnahme, um Diabetes Typ-2 zu behandeln, ist der Verlust von Körpergewicht. Wenn das Körpergewicht sinkt, dann benötigt man natürlich auch geringere Mengen an Insulin. Die Insulindosis sollte also regelmäßig an das aktuelle Körpergewicht angepasst werden.

Selbst wenn man sich großer Hitze aussetzt – beispielsweise in der Sauna – wird die Wirkung von Insulin beeinflusst. Hitze verbessert die Durchblutung, weshalb das gespritzte Insulin schneller wirkt.

Auch Krankheiten können zu Unterzuckerung führen. Bei Erbrechen oder Durchfall werden die zugeführten Kohlenhydrate nämlich teilweise wieder ausgeschieden – das injizierte Insulin jedoch nicht. Es gibt natürlich auch Krankheiten, die die Wirkung des Insulins beeinflussen. Als Beispiel ist die Schilddrüsenunterfunktion zu nennen. Wenn man unter dieser Krankheit leidet, verbessert sich die Insulinempfindlichkeit für gewöhnlich.

Außerdem sollte man bei der Einnahme von Medikamenten zur Behandlung von Diabetes darauf achten, mit welchen anderen Medikamenten und Lebensmitteln es zu Wechselwirkungen kommen kann, die die Wirkung beeinflussen könnten.

Was sind die Symptome einer Unterzuckerung?

Wenn man die Warnzeichen richtig deutet, dann kann eine Unterzuckerung bereits frühzeitig erkannt und behandelt werden. Typische Symptome sind beispielsweise die folgenden:

  • Vermehrtes Schwitzen
  • Herzrasen
  • Blässe
  • Heißhunger
  • Geweitete Pupillen
  • Zittern
  • Konzentrationsschwäche
  • Sprach- und Sehstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Verhaltensstörungen (meist Aggressionen)
  • Bewusstseinsstörungen
  • Koordinationsstörungen
  • Krampfanfälle
  • Nachtschweiß in Kombination mit häufigem Aufwachen

Wie sollte man bei einer Unterzuckerung reagieren?

Wenn man die ersten Symptome einer Unterzuckerung wahrnimmt, dann sollte man ein bis zwei Broteinheiten in Form von Einfachzucker zu sich nehmen. Empfehlenswert ist dabei natürlich purer Traubenzucker aus dem Discounter oder auch aus der Apotheke. Auch Limonade, Gummibärchen und Co sind eine Möglichkeit. Die Hauptsache ist, dass die eingenommene Substanz schnell ins Blut wandert. Viele Diabetiker schwören auf Einfachzucker in Form von Gel, da dieses bei zitternden Händen leichter eingeführt werden kann.

Kommt es hingegen zu einer schweren Unterzuckerung, sodass der Patient bewusstlos wird, sollte man sofort einen Notarzt verständigen (Notrufnummer: 112) und den Patienten in eine stabile Seitenlange bringen. Der Notarzt injiziert dem Patienten dann bei Eintreffen eine Glukoselösung direkt in die Vene, die die Unterzuckerung so schnell wie möglich neutralisiert.

Grundsätzlich könnten solche Spritzen auch vom Laien gesetzt werden, da so gut wie kein Risiko bei der Verabreichung besteht. Diabetiker, die zu Unterzuckerung tendieren, können sich solche Spritzen verschreiben lassen und Personen, die man oft um sich herum hat und denen man vertraut, zeigen, wie die Spritze im Notfall zu setzen ist.

Wichtig: Nach dem Aufwachen sollte man zusätzlich zwei bis drei Broteinheiten zu sich nehmen, da es ansonsten schnell wieder zu einer Unterzuckerung kommen könnte.

Autofahren mit Diabetes – Worauf muss man achten?

Wenn Sie den Artikel bis hierhin gelesen haben, dann wissen Sie, wieso es so gefährlich für Diabetiker sein kann, Auto zu fahren. Diabetiker sollten vor einer Autofahrt stets den Blutzucker kontrollieren und eventuell etwas Traubenzucker zu sich nehmen. Traubenzucker sollte für den Fall der Fälle ohnehin immer im Auto sein.

Des Weiteren sollte man lieber einmal mehr anhalten, als einmal zu wenig. Bei längeren Fahrten sollte man alle zwei Stunden eine Pause machen und den Blutzuckerspiegel kontrollieren.

Außerdem ist es sinnvoll, die gemessenen Blutzuckerwerte zu dokumentieren. Wenn man einen Unfall verursacht und es zum Versicherungsfall oder sogar vor Gericht geht, dann kann man auf diese Weise zeigen, dass nicht der Diabetes Schuld war und man verantwortungsbewusst mit der Krankheit umgegangen ist.