Sind Diabetiker durch das Coronavirus (Covid-19) überdurchschnittlich gefährdet?
Die Frage, ob sie zur Risikogruppe gehören oder nicht, beschäftigt viele Menschen, die an Diabetes erkrankt sind; werden doch „Personen mit Vorerkrankungen“ häufig verallgemeinernd zu den Risikopatienten gezählt.
Doch was ist dran an dieser Vermutung?

Autor: Thomas Graf.AMediziner, Diabetes-Experte. Betreiber Profil Zuletzt aktualisiert: 08.04.2020

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In Kürze: Diabetiker ohne weitere Erkrankungen und mit einem gut eingestellten Blutzuckerspiegel, sind nicht anfälliger für Corona als normal gesunde Menschen. 

INFO: Diabetiker können Medikamente wie Metformin auch über ein Online Rezept bestellen. Somit ist der persönliche Arzttermin für ein Folgerezept nicht notwendig. Die Versandapotheken liefern aktuell mit einem 24 Stunden Expressversand. Für die Diagnose wird nur ein Smartphone oder Computer benötigt. 

Wie ist der Krankheitsverlauf von Corona (Covid-19)?

Infektionskrankheiten können in unterschiedlich schweren Verlaufsformen auftreten. Die durch das SARS-Coronavirus-2 hervorgerufene Erkrankung Covid-19 wird in die folgenden Schweregrade unterteilt:

  • asymptomatisch
  • mild
  • moderat
  • schwer
  • kritisch / lebensbedrohlich

Nach aktuellem Kenntnisstand der Wissenschaft verläuft Covid-19 bei etwa 80 % aller Patienten asymptomatisch: Das bedeutet, sie infizieren sich zwar und können andere Personen anstecken, entwickeln selbst aber keine Symptome.

Der Grund dafür besteht meist in einem einwandfrei funktionierenden Immunsystem, welches das Virus eliminiert, ehe es im Körper Schäden anrichten kann. Auch eine geringe Virulenz (Infektionskraft) des Erregerstamms kann zu einem asymptomatischen Krankheitsverlauf führen.

Bei Risikopatienten treten schwere und kritische, aber auch symptomatische Verläufe allgemein tendenziell häufiger auf. Schwere bis lebensbedrohliche Erkrankungen gehen meist mit einer Lungenentzündung einher, die zu Kurzatmigkeit bis hin zu schwerer Atemnot mit Todesfolge führen kann.

Videobericht: Coronavirus & Diabetiker

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Was bedeutet "Risikogruppe"?

  • Als Risikopatienten werden Personen bezeichnet, für die das Coronavirus eine erhöhte Gefahr darstellt.

Dies bedeutet nicht, dass sie sich leichter infizieren, sondern dass der Krankheitsverlauf bei ihnen tendenziell schwerer ist als bei der Durchschnittsperson. Es kommt seltener zu asymptomatischen und häufiger zu schweren Verläufen.

Als Risikopatienten gelten daher erstens Personen, deren Lungenfunktion herabgesetzt ist.

Darunter fallen zum Beispiel:

  • Raucher
  • Teilweise Asthmatiker
  • Lungenemphysem-Patienten

Zweitens sind Personen mitinbegriffen, deren Immunsystem beeinträchtigt ist. Dies trifft allgemein auf ältere Menschen zu; weiterhin auf Personen, die immunsuppressive (das Immunsystem schwächende) Medikamente wie zum Beispiel Cortison einnehmen, und schließlich diejenigen, die aktuell durch eine anderweitige Erkrankung geschwächt sind, zu.

Handelt es sich allerdings um eine Krankheit, die der Patient medikamentös so gut im Griff hat, dass sie den Körper nicht belastet, ist auch die Immunabwehr nicht herabgesetzt. Dies gilt unter anderem für Diabetiker.

Welche Diabetes-Patienten besitzen ein normales Risiko?

Diabetiker, die keine anderweitigen Erkrankungen haben und deren Blutzuckerspiegel gut eingestellt ist, sind nicht krankheitsanfälliger als andere Personen.

Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das nur dann extern zugeführt werden muss, wenn der Körper es selber nicht in ausreichendem Maße produziert; entweder absolut betrachtet (Diabetes Typ 1) oder in Relation zur Sensibilität der Körperzellen auf Insulin (Diabetes Typ 2).

  • Es wird also lediglich die Menge verabreicht, die die Bauchspeicheldrüse normalerweise selbstständig produzieren würde.

Die Organsysteme eines gut eingestellten Diabetikers, das Immunsystem eingeschlossen, sind daher nicht beeinträchtigt; unabhängig davon, auf wie viel Insulin er angewiesen ist.

Welche Diabetes-Patienten gehören zur Risikogruppe?

Ein erhöhtes Risiko besteht für Patienten, bei denen der Diabetes in Kombination mit einer weiteren Erkrankung auftritt oder deren Blutzuckerspiegel schlecht eingestellt ist.

Folgeerkrankungen treten vor allem dann auf, wenn ein ursächliches Problem wie Übergewicht oder Tabakkonsum weiterhin besteht oder der Blutglukosespiegel trotz des Insulins erhöht bleibt.

Eine langfristige Hyperglykämie (Blutzuckererhöhung) verursacht Schädigungen der Nerven und der Blutgefäße, was zu Durchblutungsstörungen führt. Diese wiederum können Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Probleme und Nierenschädigungen verursachen.

Eine schlechte Gewebedurchblutung führt dazu, dass auch die Immunzellen nur eingeschränkt in die verschiedenen Gewebe gelangen und Infektionen somit schlechter bekämpft werden können. Ein hoher Glukosespiegel im Blut hemmt darüber hinaus die Immunantwort.

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Wie sollten sich Diabetiker bezüglich Covid-19 verhalten?

Die Vorsichtmaßnahmen sind davon abhängig, ob ein Diabetiker zur Risikogruppe gehört.

Diabetes-Patienten ohne Begleiterkrankungen mit normalem Blutglukosespiegel sollten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen einhalten wie andere Nicht-Risiko-Personen.

Vorsorgliche Krankschreibungen oder Arbeitsbefreiungen sind zum Beispiel nicht erforderlich.

Allenfalls sollte ganz besonders auf regelmäßige Blutzuckerkontrollen geachtet werden, um eventuelle Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Für Risikopatienten gelten die empfohlenen verstärkten Vorsichtsmaßnahmen:
  • Reduktion sozialer Kontakte
  • gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife
  • öffentliche Verkehrsmittel weitgehend vermeiden
  • Geschäfte, Großraumbüros etc. aufs minimum reduzieren

Menschen, die mit einer besonders gefährdeten Person persönlichen Kontakt haben, sollten verstärkt darauf achten, Abstand zu halten, einen Mundschutz zu tragen und Körperkontakt zu vermeiden.

Weiterhin sollten gefährdete Diabetespatienten ein besonderes Augenmerk darauf legen, ihren Blutzuckerspiegel möglichst in den Griff zu bekommen, sich gesund zu ernähren und an der frischen Luft zu bewegen. All dies trägt dazu bei, die Immunabwehr zu stärken und besser sowohl gegen Covid-19 als auch gegen anderweitige Infektionskrankheiten und organische Schädigungen geschützt zu sein.

Video: Tipps für Diabetiker

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Was ist beim Auftreten von Covid-19-Symptomen zu tun?

Typische Anzeichen für die Corona-Erkrankung sind Fieber, Husten und ein Ausfall des Geruchsinns.

Sollte bei Ihnen eines dieser Symptome auftreten, lautet die oberste Regel: Ruhe bewahren. Bleiben Sie in jedem Fall zu Hause und vermeiden Sie den Kontakt zu anderen Menschen.

Suchen Sie keinesfalls ohne telefonische Rücksprache eine Arztpraxis oder Klinik auf!

Sollten Sie in den vergangenen zwei Wochen Kontakt zu einer nachweislich mit SARS-CoV-2 infizierten Person gehabt haben oder zur Risikogruppe gehören, kontaktieren Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst und informieren ihn über Ihre Situation: Gegebenenfalls wird bei Ihnen dann ein Bluttest durchgeführt und es werden weitere Maßnahmen angeordnet.

Sollten Sie an Atembeschwerden leiden, ist von einer schweren Verlaufsform auszugehen. In diesem Fall benachrichtigen Sie umgehend den Rettungsdienst unter der Rufnummer 112. Anderenfalls kann die beeinträchtigte Atmung schnell lebensbedrohlich werden! Dies gilt unabhängig davon, ob Sie prinzipiell zur Risikogruppe gehören oder nicht.

Antidiabetika per Online Rezept

Um den persönlichen Arzttermin, insbesondere Zeiten von Corona vermeiden zu können, erweisen sich nun Online Klinken als besonders praktisch. 

Während bis vor kurzem die Telemedizin in den Medien noch als Fragwürdig dargestellt worden ist, wird Sie nun sogar empfohlen. 

Volle Wartezimmer, Ansteckungsgefahr und verlorene Zeit. Es gibt genug Gründe um lieber eine Online Sprechstunde für ein einfaches Rezept, insbesondere wenn es sich um ein Folgerezept handelt, zu bevorzugen. 

Auf der größten Online Klinik Europas können Typ-2 Diabetiker das Medikament Metformin auch per Online Sprechstunde erhalten. Nach dem ein Fragebogen ausgefüllt worden ist, kann das notwendige Rezept vom Online Arzt ausgestellt werden. Es folgt ein 24 Stunden Expressversand, wobei die Bezahlung dieser Dienstleistung auch bequem auf Rechnung erfolgen kann. 

Quellen:

  1. COVID-19, Diabetes Mellitus and ACE2: The conundrum – diabetesresearchclinicalpractice.com
  2. COVID-19 INFECTION IN PEOPLE WITH DIABETES – touchendocrinology.com
  3. Commentary: COVID-19 in Patients with Diabetes – metabolismjournal.com
  4. Coronavirus: Besonderes Risiko für chronisch Kranke – NDR.de

Autor: Thomas Graf. Selbständiger Mediziner. Experte im Fachgebiet Diabetes.