Kann mit Diabetes gefastet werden? Ja, es gilt allerdings ein paar Dinge zu beachten.
Wenn die Diabetestherapie angepasst wird und der Diabetiker bei seiner Ernährung einiges beachtet, kann problemlos gefastet werden oder am Ramadan teilgenommen werden.

Autor: Thomas Graf.AMediziner, Diabetes-Experte. Betreiber Profil Zuletzt aktualisiert: 08.03.2020

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Im Islam gibt es fünf Säulen, eine davon ist zu Ramadan zu fasten. Ramadan ist der Fastenmonat der Muslime. Während dieses Monats darf zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht gegessen und nicht getrunken werden. Es dürfen auch keine Medikamente eingenommen werden, weder geschluckt noch gespritzt. Dabei kann die Fastenzeit viele Stunden dauern, je nach dem in welche Jahreszeit der Ramadan fällt und wo sich die Gläubigen befinden. In den nordischen Staaten der EU können zwischen Auf- und Untergang der Sonne 20 Stunden liegen.

Darf ein Diabetiker den Ramadan unterbrechen?

Es gibt Möglichkeiten die Fastenzeit zu unterbrechen. Für Schwangere, alte und gebrechliche Menschen oder Kranke, denen ein ernster Schaden in ihrer Gesundheit droht. Sie dürfen ihre religiöse Pflicht im Bezug auf das Fasten unterbrechen.

Der Islam erlaubt es den Gläubigen, statt zu fasten täglich einen armen Menschen Lebensmittel zukommen zulassen. In Deutschland wird dies selten praktiziert. Eine andere Möglichkeit ist es, einige Fastentage nachzuholen, wenn der Gläubige durch eine Reise oder Krankheit nicht alle Tage des Ramadans fasten konnte.

Laut Islam.de sind Personen dessen Gesundheit gefährdet ist, mit Ausnahmen von der Plficht des Fastens ausgenommen. Im Gegenzug kann eine Spende geleistet werden.2Ramadan – 25 Fragen – Antworten – 5) Gibt es Personen, die vom Fasten ausgenommen sind? – www.islam.de Dabei muss es sicher sein, dass das Geld an Bedürftige weitergeleitet wird.

Richtlinie zum Ramadan mit Diabetes

  • Die überwiegende Anzahl der muslimischen Diabetiker möchte sich beim Ramadan nicht ausschließen.

Im April 2016 erschien eine Leitlinie zum Thema Diabetes und Ramadan geschrieben von der international Diabetes Federation (IDF) und der Diabetes und Ramadan (DAR). Dabei hat die IDF-DAR praktische Richtlinien für das medizinische Fachpersonal erstellt. Mit diesen Informationen gepaart mit praktischen Tipps, können die Fachleute Muslimen helfen, die trotz Diabetes am Ramadan teilnehmen wollen und das Komplikationsrisiko reduzieren.

Ändert ein Diabetiker seine Ernährungsgewohnheiten, erhöht er seine Gefahr für gesundheitliche Risiken. Eine Folge der Änderungen im Speiseplan könnte eine Unterzuckerung sein, genau wie Dehydration, Ketoazidose oder eine Entgleisung der Zuckerkrankheit sein. Der wichtigste Tipp ist es, extrem viel trinken, ehe die Sonne aufgeht.

Eine Fastenunterbrechung ist einem muslimischen Diabetiker erlaubt, wenn:
  • der Blutzucker unter 70 mg/ dl abfällt.
  • ein Wert von mehr als 300 mg/ dl vorliegt.

Woran erkennt man eine Unter- oder Überzuckerung?

Die Symptome einer Unterzuckerung sind:
  • Dehydrierung
  • Änderungen am Geisteszustand
  • Herzrasen
  • Hunger
  • Kopfschmerzen
  • Schwitzen/ Frieren
  • Verwirrung
  • Zittern
Die Symptome einer Unterzuckerung sind:
  • Bauchschmerzen
  • Durst
  • starker Harndrang
  • Hunger
  • Müdigkeit
  • Übelkeit/ Erbrechen
  • Verwirrtheit

Wie sollte sich ein Diabetiker während des Ramadans ernähren?

Muslime dürfen essen und trinken, sobald die Sonne untergegangen ist. Dabei sind keine Grenzen gesetzt, bis die Sonne wieder aufgeht. Oft treffen sich die Gläubigen und feiern gemeinsam, so wird eher übertrieben gegessen. Eine häufige Folge für Diabetiker ist, dass sie im Rahmen des Ramadans zunehmen.

Anpassung der Antidiabetika während Ramadan:

Bei Metformin ist es normalerweise nicht nötig, dass die Dosis angepasst wird. Es wird wie gewohnt nach dem Essen nach Sonnenuntergang oder vor Sonnenaufgang eingenommen.

Bei Sulfonylharnstoffe steigt das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen. Bebachtungsstudien zeigten ein um 20 Prozent erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen. Daher geht die Verwendung in Deutschland zurück. Es wird allerdings noch eingesetzt, da er einen extrem guten Preis hat.

Hier gibt es im Rahmen des Ramadans eine Unterzuckerungsrate von mehr als 30 Prozent. Daher sollte zu anderen Mitteln, wie Glimeprid gegriffen werden, wo die Rate der Unterzuckerung unter 20 Prozent liegt.

Bei DPP-4 Inhibitoren ist das Unterzuckerungsrisiko mit etwa fünf Prozent sehr gering, daher muss die Dosis nicht angepasst werden.

Da es in Studien keine Auffälligkeiten gab, muss nichts angepasst werden. Zur Sicherheit sollte der Arzt oder Apotheke gefragt werden.

Nach den bisher durchgeführten Studien sind diese Medikamente ohne Veränderungen sicher im Ramadan. Aufpassen müssen nur Patienten die zur Dehydrierung neigen.

Anpassung von Insulin während Ramadan:

Eine 15 bis 20 prozentige Reduktion sollte bei NPH Insulin oder Analoga durchgeführt werden. Die Spritze sollte vor Sonnenuntergang getätigt werden. Wird ein Basalinsulin zweimal angewendet, dann die sonstige morgendliche Dosis nach dem Sonnenuntergang und die übliche Dosis des Abends zur Hälfte vor dem Sonnenaufgang.

Ist die Sonne untergegangen, wird die Dosis gespritzt, die sonst vor dem Frühstück verwendet wird. Die Dosis, die sonst am Mittag gespritzt wird, entfällt. Die Dosis, die sonst vor dem Abendessen gespritzt wird, wird nun vor dem Aufgang der Sonne gespritzt, jedoch um die Hälfte reduziert.

Ramadan und Typ 1 Diabetiker

Bei einem Typ 1 Diabetiker gibt es ein paar Faktoren, die zur Folge haben, dass vom Fasten abgeraten wird.

Zu diesen Faktoren gehören:
  • Patienten mit häufiger Unterzuckerung
  • schlecht eingestellte Patienten
  • Patienten mit Wahrnehmungsstörung für ihren Unterzucker
  • Patienten mit einem stark schwankenden Blutzuckerwert
  • Bei nicht Einhaltung der Diabetes-Therapie
  • Patienten, die ihren Blutzuckerwert nicht messen können oder wollen

Grundsätzlich können auch Typ 1 Diabetiker am Ramadan teilnehmen, sie müssen nur ihren Blutzucker auch während der Fastenzeit, also von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang regelmäßig kontrollieren.

Die Insulintherapie dem Ramadan anpassen:

Es muss regelmäßig der Blutzuckerwert kontrolliert werden, hier empfehlen sich folgende Zeiten:
  • vor dem Essen nach Sonnenuntergang
  • am Morgen
  • am Mittag
  • am Nachmittag
  • etwa zwei Stunden nach dem Essen nach Sonnenuntergang

Basalinsulin hat eine Langzeitwirkung, daher kann es im Laufe des Tages zu einer Unterzuckerung kommen. In diesem Falle muss eventuell die Dosis angepasst werden.

Es kann nach dem Sonnenuntergang oder vor dem Sonnenaufgang verwendet werden. Es muss nichts umgestellt werden. Eine anfängliche Reduzierung der Dosis um etwa 30 Prozent kann vorgenommen werden. Dies sollte ein paar Tage vor dem Beginn des Ramadans ausprobiert werden. Ein Testfastentag soll dann zeigen, ob der Nüchternblutzuckerwert nach Sonnenuntergang im Zielbereich des Blutzuckerwertes des Patienten liegt. Diese Änderungen erfolgen unter ärztlicher Aufsicht.

Hier sollte die Verwendung nach Sonnenuntergang stattfinden. Die Dosis muss vom Arzt so angepasst werden, dass vor Sonnenaufgang die Blutzuckerwerte des Patienten, den Nüchternblutzuckerwerten entsprechen. Erfolgt vor Sonnenaufgang eine Einnahme, darf diese im Tagesverlauf nicht zu einer Hypoglykämie führen.

Die normale Dosis wird nach Sonneuntergang angewendet. Vor der letzten Mahlzeit, bevor die Sonne aufgeht, gibt es eine Dosis, welche auf 25 bis 50 Prozent reduziert wurde.

Quellen:

  1. Ramadan – Wikipedia
  2. Ramadan – 25 Fragen – Antworten – 5) Gibt es Personen, die vom Fasten ausgenommen sind? – www.islam.de
  3. Fastenbrechen – Wikipedia

Autor: Thomas Graf. Selbständiger Mediziner. Experte im Fachgebiet Diabetes.